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Tinnitus und Nahrungsergänzung — was wirklich belegt ist

Ein sachlicher Überblick: Ursachen von Ohrgeräuschen, Stand der Forschung zu Ginkgo biloba, Warnzeichen für einen dringenden Arztbesuch und eine ehrliche Antwort darauf, welche Rolle ein Nahrungsergänzungsmittel überhaupt spielen kann.

Zuletzt aktualisiert: 04.09.2026

Ohrgeräusche — Klingeln, Pfeifen, Rauschen oder Brummen ohne äußere Schallquelle — gehören zu den häufigsten Beschwerden in HNO-Praxen. Schätzungen zufolge erlebt ein zweistelliger Prozentsatz der Erwachsenen sie zeitweise, bei einem Teil bleiben sie dauerhaft. Rund um das Thema kursieren viele Versprechen, deshalb zuerst das Wichtigste.

Ein Nahrungsergänzungsmittel heilt keinen Tinnitus. Kein frei verkäufliches Präparat ist ein Arzneimittel gegen Ohrgeräusche, und niemand sollte Ihnen das versprechen. Wenn das Geräusch plötzlich auftritt, nur ein Ohr betrifft oder von einer Hörverschlechterung begleitet wird, gehört das in ärztliche Hände.

Woher Ohrgeräusche kommen

Tinnitus ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom. Die häufigsten Ursachen:

Diese Liste erklärt, warum es keine einzelne „Tablette gegen Ohrgeräusche“ gibt. Das Vorgehen richtet sich nach der Ursache, und die muss ärztlich abgeklärt werden.

Wann zum Arzt — und wann sofort

Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe bei: plötzlichem Hörverlust (besonders einseitig), rein einseitigem Geräusch, pulsierendem Geräusch im Herzrhythmus, starkem Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, Ausfluss aus dem Ohr oder einer Gesichtslähmung.
Der Hörsturz ist ein dringlicher Fall — je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Aussichten. Warten Sie damit nicht wochenlang.

In allen anderen Fällen können Sie den Termin in Ruhe planen, sollten ihn aber nicht endlos aufschieben. Die Basisdiagnostik — Ohrmikroskopie und Audiometrie — ist schnell und schmerzfrei.

Ginkgo biloba — was die Forschung sagt

Der Blattextrakt des Ginkgo (Ginkgo biloba) ist einer der am besten untersuchten Pflanzenextrakte und zugleich derjenige, der am häufigsten mit Ohrgeräuschen in Verbindung gebracht wird. Der Stand der Dinge:

FrageErkenntnisstand
Beseitigt Ginkgo Ohrgeräusche?Systematische Übersichtsarbeiten mit Personen, deren Hauptbeschwerde der Tinnitus war, konnten keinen eindeutigen Vorteil gegenüber Placebo zeigen. Einzelstudien kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen bei unterschiedlicher methodischer Qualität.
Gibt es eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe?Nein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für Ginkgo keine Angaben zum Gehör oder zur Durchblutung zugelassen. Ein Hersteller darf daher nicht behaupten, das Präparat „verbessere das Hören“.
Warum ist er trotzdem so verbreitet?Er ist seit Jahrzehnten in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten und hat eine lange Anwendungstradition. Das ist ein Argument der Gewohnheit, kein Wirksamkeitsnachweis.
Ist er sicher?In der Regel gut verträglich, kann jedoch mit Gerinnungshemmern und Thrombozytenaggregationshemmern wechselwirken. Wer solche Medikamente einnimmt oder eine Operation plant, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

Das ehrliche Fazit: Ginkgo ist ein Bestandteil mit langer Anwendungstradition, dem die Wissenschaft keine belegte Wirkung auf Ohrgeräusche zuschreibt. Wer ihn als Mittel gegen Tinnitus darstellt, geht über die Datenlage hinaus.

Was über die Vitamine gesagt werden darf

Anders liegt der Fall bei Vitaminen, für die offiziell zugelassene gesundheitsbezogene Angaben gelten. In der Aurivit-Rezeptur stehen neben den Pflanzenextrakten die Vitamine A und B2, und darüber lässt sich Konkretes sagen:

Diese Aussagen sind geprüft und zulässig. Keine davon betrifft jedoch unmittelbar das Gehör — und genau deshalb finden Sie auf der Produktseite keine entsprechenden Versprechen.

Was im Alltag tatsächlich hilft

  1. Lärm reduzieren. Die 60/60-Regel für Kopfhörer: höchstens 60 % Lautstärke, höchstens 60 Minuten am Stück. Bei Konzerten und lauter Arbeit Gehörschutz tragen.
  2. Keine absolute Stille suchen. In völliger Ruhe wirkt das Geräusch lauter. Ein leiser Hintergrundklang — Ventilator, ruhige Musik, Regengeräusch — hilft oft mehr als ein schallgedämmter Raum.
  3. Auf Schlaf achten. Schlafmangel und Erschöpfung verstärken die Wahrnehmung des Geräuschs messbar.
  4. Blutdruck und Medikamente prüfen. Bluthochdruck und manche Präparate können mit dem Symptom zusammenhängen — sprechen Sie das ärztlich an.
  5. Koffein und Alkohol beobachten, falls sich das Geräusch danach verstärkt. Das ist individuell verschieden.
  6. Klangtherapie und Entspannungsverfahren erwägen. Bei chronischem Tinnitus wird eine fachlich begleitete Habituationstherapie eingesetzt — ein Verfahren mit dokumentiertem Nutzen.

Welche Rolle bleibt für ein Nahrungsergänzungsmittel

Ein Nahrungsergänzungsmittel ergänzt die Ernährung — mehr nicht. Es ersetzt keine Diagnostik, heilt nicht und darf einen HNO-Termin nicht hinauszögern. Sinnvoll ist es als Baustein gesunder Alltagsgewohnheiten bei jemandem, der die Grundlagen geklärt hat: Hörtest gemacht, Lärm reduziert, ausreichend geschlafen, Blutdruck im Blick.

Wenn Sie ein Präparat mit Ginkgo- und Rosenwurz-Extrakt sowie den Vitaminen A und B2 suchen, finden Sie hier die vollständigen Inhaltsstoffe, die Einnahme und den aktuellen Preis von Aurivit. Was Sie dort nicht finden, ist das Versprechen, das Produkt beseitige Ohrgeräusche — denn dieses Versprechen lässt sich seriös nicht geben.

Quellen

Die Aussagen im Text stützen sich auf folgende Quellen:

  1. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angabeneur-lex.europa.eu — zugelassene Angaben zu den Vitaminen A und B2 sowie fehlende Zulassung für Ginkgo.
  2. Cochrane Librarywww.cochranelibrary.com — systematische Übersichtsarbeiten zu Ginkgo biloba und Tinnitus.
  3. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)www.efsa.europa.eu — wissenschaftliche Bewertungen von Inhaltsstoffen und Angaben.
  4. Deutsche Tinnitus-Ligawww.tinnitus-liga.de — Patienteninformationen zu Tinnitus und Nahrungsergänzungsmitteln.
  5. AWMF — Leitlinienregisterwww.awmf.org — Leitlinie zum chronischen Tinnitus.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zum Gehör, zu eingenommenen Medikamenten und möglichen Wechselwirkungen wenden Sie sich an Ärztin, Arzt oder Apotheke.